Bilder sind überall, sie überfluten uns alltäglich.

Selfie, Selbstdarstellung, Selbsversklavung. Was tut wer? Was tue ich, damit es interessant ist? Wie wichtig bin ich? Bilder – Bilder – Bilder . . . macht es heute noch Sinn zu fotografieren? Nein! Brauchen wir noch mehr Datenmüll auf mobilen Bildschirmen? Nein!




. . . aber sind es nicht doch Bilder die einen Moment festhalten. Das Fotoalbum der Hochzeit deiner Großeltern ist vielleicht 50 Jahre alt und birgt einen Familienschatz. Die Bilder der Kindheit halten Lebensabschnitte fest, das Gruppenbildselfie der letzten Gäste auf der Party – das alles sind Momente die festgehalten wurden. Bei Bildern geht es nicht um Technik, es geht um Emotionen. Gut, ein bisschen Gestaltung, schadet nicht, aber am Ende zählt die Emotion.

Vor einigen Tagen durfte ich Inga fotografieren. Wir haben uns vorher noch nie gesehen und sind bei Heidelberg am Stift Neuburg ein Stück spazieren gegangen. Eigentlich haben wir viel weniger fotografiert, als uns einfach unterhalten und dabei ein paar Bilder gemacht. Miteinander reden bringt Verständnis füreinander und man kann sich aufeinander einstellen. Es lohnt beim Fotografieren Zeit einzuplanen – nicht für große Technik, sondern für den Menschen vor der Kamera. Vielleicht werden die Bilder von Wert, denn sie sind ein kleiner Moment der festgehalten wurde. Den Wert den ein Bild hat, kristallisiert sich oft erst mit der Zeit heraus.
Das berühmte Bild von Ernesto „Che“ Guevara ist heute eines der ikonografischsten Bilder der Welt. Geschossen von dem Kubanischen Fotografen Alberto Korda . Hat es sich geloht für Ihn? Monetär? – Nein, er hat es verschenkt, da es nach seiner Entstehung niemand haben wollte. Hat es sich für uns alle Gelohnt? Millionen von T-Shirts, Demos, kleine und große Revolutionäre und unzählige Flaggen . . . Genau dafür sind Bilder da. Am Ende zählt die Emotion.
Meine Fazit – weniger fotografieren? . . . Nein, aber mehr Aufmerksamkeit beim Fotografieren und vor allem Aufmerksamkeit für den Menschen vor der Kamera. Sind Selfies denn jetzt weniger Wert? . . . Nein, denn es ist eine moderne Form des Selbsportraits. Darin haben wir die Möglichkeit uns so zu fotografieren, wie wir uns selbst sehen oder gerne hätten. Also macht mehr Bilder, gute Bilder mit Emotionen. Lasst diese nicht im Schattendasein der virtuellen Welt verkümmern, sondern hängt sie an Wände, klebt sie in Alben oder sammelt sie in alten Schuhkartons – so werden sie wertvoll.
